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Wenn ein Mitarbeiter geht, nimmt er sein Wissen mit – nicht mehr mit einem Digital Twin

1. Juli 2026
KIdigitale Transformation

Das haben wir jahrzehntelang wie ein Naturgesetz behandelt

Wenn ein Mitarbeiter geht, nimmt er sein Wissen mit. Das haben wir jahrzehntelang wie ein Naturgesetz behandelt.

Die letzten Wochen hatten wir bei einem Kunden mehrere Offboardings, ausgelöst durch ein Sparprogramm. Prompt lag das alte Thema wieder auf dem Tisch: Wie übergeben wir eigentlich das Wissen der Menschen, die gehen?

Die klassische Antwort heißt Übergabedokument. Zwanzig Seiten, in der letzten Woche hastig getippt, danach von niemandem gelesen. Sechs Monate später ruft der Nachfolger trotzdem beim Ex-Kollegen an, der längst woanders sitzt und keine Zeit mehr hat.

In einer Abteilung hat einer unserer Berater es anders gelöst: einen Digital Twin des Rollenwissens. Ein Modell, das Dokumente, Entscheidungen und die immer gleichen Rückfragen dieser Position abbildet und befragbar macht. Der Nachfolger fragt das System, nicht den Kalender eines Menschen, der nicht mehr da ist.

Bei dem Wort "#Twin" bin ich erstmal skeptisch. Ein Modell ist nicht die Person. Es kennt das Explizite, nicht das Bauchgefühl, nicht die Hintergründe, nicht all die Erfahrung. Aber nach der 80/20-Regel sind die meisten Alltagsfragen genau das: explizit und wiederkehrend. Für den Rest braucht es weiter einen Menschen, nur eben nicht für jede Kleinigkeit.

Passend dazu meldet Bitkom, dass 19 Prozent der Firmen wegen zu hoher KI-Kosten bereits Stellen gestrichen haben. Erst sparen wir Menschen ein, dann suchen wir ihr Wissen.

Wir überlegen jetzt, den Twin zum Standard beim Projektabschluss zu machen und perspektivisch ganze Teams und Themen so abzubilden. Drei Dinge entscheiden, ob das trägt:

1️⃣ Prozess: den Twin nicht am letzten Tag bauen, sondern projektbegleitend füttern.

2️⃣ KPI: messen, wie viele Fragen ohne Rückruf beim Ex-Kollegen beantwortet werden.

3️⃣ Ownership: klären, wer pflegt, wer haftet und was mit personenbezogenen Daten passiert.

Bleibt die Frage: Was passiert bei euch, wenn nächste Woche eure wichtigste Person kündigt? Habt ihr ihr Wissen, oder nur ihre Telefonnummer?